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Allgemeine Informationen News

Im Rahmen eines Vifor Pharma Satellitensymposiums kam der Stellenwert der Lebensqualität von Herzpatienten eindrücklich zur Sprache. Ein ehemaliger Spitzensportler berichtete von seinen Erfahrungen und machte klar: Steht die Lebensqualität wirklich im Zentrum ärztlichen Handelns, dann kann wirksam geholfen und Leiden gelindert werden, selbst wenn keine Heilung in Aussicht ist.

PD Dr. med. Georg Noll von der HerzKlinik Hirslanden stellte gleich zu Beginn des Symposiums einfühlsam die Befindlichkeiten und Lebensqualität eines Herzpatienten in den Mittelpunkt. Das Gespräch mit dem ehemaligen Spitzensportler vermochte für die Anwesenden deutlich herauszuschälen, worum es den Patientinnen und Patienten geht: Können die geliebten Dinge und täglichen Gewohnheiten und Verrichtungen trotz eines bestehenden Leidens noch durchgeführt werden, oder sind Einschränkungen zu erwarten?

Gezielt fragen

Flüchtiges Abfragen zum Zustand und der Lebensqualität provozieren selten die richtigen Antworten. Erst genaues Nachhaken verbunden mit konkreten Fragen nach täglichen Verrichtungen förderten Einschränkungen zutage. Leichtere Einschränkungen werden allzuoft passiv in Kauf genommen. Konkret litt der ehemalige Radrennfahrer nach gewesenem Myokardinfarkt immer wieder einmal an einschneidenden Episoden von verminderter Lebensqualität infolge Eisenmangel oder Einschränkungen der koronaren Leistungsfähigkeit.

Herzpatienten oft mit Anämie/Eisenmangel

Der Eisenmangel wurde durch eine Infusion rasch behoben. Mit der Implantation eines Pacemakers nahm auch die kardiale Leistungsfähigkeit wieder zu. Die Lebensqualität war wieder im Lot.

Interessant: die Symptome des Eisenmangels deckten sich teilweise mit den Symptomen der eingeschränkten kardialen Leistungsfähigkeit. Dies wurde auch in der von Dr. Noll anschliessend vorgestellte FAIR-HF*-Studie gezeigt (1). Sie untersuchte die Auswirkungen eines Eisenmangels und dessen Therapie bei Patienten mit Herzinsuffizienz.

Eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustandes aus der Sicht des Patienten (self-reported patient Global Assessment) gaben 50% der mit Eisencarboxymaltose behandelten Patienten gegenüber 28% der Placebo-Patienten an (p<0.001). Die i.v. Eisentherapie verdoppelte die Wahrscheinlichkeit für eine Verbesserung um eine NYHA-Klasse um den Faktor 2.40 (p<0.001). Am Studienende hatten 47% versus 30% der Patienten die NYHA I/II erreicht. Auch die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit (gemessen an 6-Minuten-Gehtest) verbesserten sich in einem für die Patienten relevanten Ausmass. Alle diese Befunde wurden sowohl bei Patienten mit und ohne Anämie beobachtet.

Guidelines wurden angepasst

Die Ergebnisse der FAIR-HF*-Studie haben laut Dr. Noll dazu geführt, dass die ESC in den ESC-Guidelines zur Diagnose und Therapie der Herzinsuffizienz von 2012 den Eisenmangel zum ersten Mal als Komorbidität der Herzinsuffizienz aufführt und die Empfehlungen angepasst wurden (2): so wird die Messung der Eisenparameter (Ferritin und totale Eisenbindungskapazität, TSAt) zum Standard erhoben bei allen ambulanten Patienten mit vermuteter oder bestätigter Herzinsuffizienz. Therapeutisch wird angeführt, dass die Behandlung mit Eisencarboxymaltose als Behandlung zur Verbesserung der Symptome sowie der körperlichen Leistungsfähigkeit und Lebensqualität in Betracht gezogen werden soll.

Noch viel Forschungsbedarf vorhanden

Auf jeden Fall werden heute laut Dr. Patricia R. Blank vom European Center of Pharmaceutical Medicine ECPM, Basel, die von den Patientinnen und Patienten selbst berichteten Befindlichkeits-Outcomes als Schlüsseldimensionen ihrer gesamten Krankheitslast gewertet, das heisst: es zählt heutzutage nicht nur die Beobachtung von ärztlicher Seite, sondern auch das, was der Patient selbst erlebt und berichtet. Daraus leitet sich ein primäres Behandlungsziel ab: das Wohlgefühl der Patienten soll verbessert werden. Wie kann der Bericht des Patienten möglichst genau erfasst werden, welche Instrumente sind hierfür nötig und zuverlässig? Was bedeutet Patientenwohl konkret und wie wird es vom Patienten selbst definiert? Diese Fragen sollten auch im Rahmen von klinischen Studien bei Herzpatienten berücksichtigt und gleichberechtigt neben Outcomes zu Morbidität und Mortalität untersucht werden. Die FAIR-HF Studie wurde daher auch in Bezug auf die Lebensqualität evaluiert (3). Als positiver Prädiktor für eine gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) - gemessen mit dem European Quality of Life 5 Dimensions Test, kurz EQ-5D - erwiesen sich die i.v. Eisensubstitution, eine tiefere NYHA-Klasse sowie bessere Ergebnisse im 6-Minuten-Gehtest.

Die resultierenden Ergebnisse weiterer solcher Studien müssen in den Guidelines berücksichtigt werden. Bereits hat auch die European Society of Cardiology (ESC) die Bedeutung der von Dr. Blank vorgestellten Punkte als ein wichtiges Informationsinstrument für Patienten, Kliniker sowie Steuerzahler und die Politik anerkannt.

 

Literatur

  1. Anker S et al.: Ferric carboxymaltose in patients with heart failure and iron deficiency. N Engl J Med 2009; 361(25): 2436-2448
  2. McMurray JJ et al. ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure 2012. Eur Heart J 2012; 33: 1787-1847
  3. Gutzwiller FS et al.: Determinants of quality of life of patients with heart failure and iron deficiency treated with ferric carboxymaltose: FAIR-HF sub-analysis. Int J Cardiol 2013;168: 3878-3883

- SGK-Kongress 2014, Interlaken, Vifor Pharma Symposium
30.09.2014
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    Lausanne, 15 Mai 2017
    Zürich, 1. Juni 2017
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